| Mit einem Kick ins neue Amt |
| Geschrieben von Bernhard Komesker (Weser Kurier) | |
| Donnerstag, 26. November 2009 | |
Ihre Wege hatten sich schon Ende September gekreuzt: Beim ersten Fußballturnier der sechs Ganderkeseer Grundschulen in Stenum war Tom Adler für den späteren Sieger von der Dürerstraße aufgelaufen. Bei den Mädchenwettbewerben zählte Jule Petershagen zur Auswahl der Grundschule Schierbrok. Jetzt führte der Fasching die beiden Zehnjährigen zusammen: Tom I. und Jule I. sind das Kinderprinzenpaar der neuen Session. Die Gemeinschaft der Ganderkeseer Vereine (GGV) hatte offenbar den richtigen Riecher: Beide sind Werder-Fans, beide kommen aus faschingsbegeisterten Elternhäusern. Dass das nach Hoheiten suchende Gremium der GGV die beiden Viertklässler unabhängig voneinander an zwei frühen Abenden im Oktober jeweils beim Fernsehen antraf, wird eher Zufall gewesen sein. Man wolle nicht stören, versicherten die „Greifer“ bei Petershagens in Elmeloh und bei Adlers im Urneburger Feld – und zogen sich hier wie dort zunächst ins Nebenzimmer zurück, um das Okay der Eltern zu holen.„Mein Bruder wusste es auch gleich“, erinnert sich Jule. Helge ist zwei Jahre älter und hatte die Funktionäre erkannt. Als die sich offenbarten, habe sie zuerst kein Wort herausbekommen. Und auch Tom dachte sich anfangs nichts dabei, als er den GGV-Männern etwas zu trinken brachte. Nach einigem Überlegen habe er dann zugesagt. „Du wolltest aber auch gleich wissen, wer die Kinderprinzessin ist“, souffliert seine Mutter Birte, während Toms kleiner Bruder Henry (3) durchs Zimmer wuselt. Jules Mutter Christine, selbst Faschingsprinzessin von 1993/94, ergänzt, sie habe sich mit ihrer Tochter gefreut: „Sie spielt gern Prinzessin, verkleidet sich gern und ist ein fröhlicher Mensch.“ Beste Voraussetzungen also. Doch bis zur Proklamation am Abend des Elften Elften sollte es noch eine lange Zeit werden. Die nutzten beide zum Schreiben ihrer Antrittsreden. Jule reimte charmant das Wörtchen „froh“ auf „Elmeloh“. Und sie bekannte, sie freue sich riesig auf den niegelnagelneuen Kinderprinzenwagen. Dessen Aussehen ist bis zur Jungfernfahrt beim Umzug 2010 eines dieser streng gehüteten GGV-Geheimnisse. Tom, nicht minder keck, machte seinem Vater Henning eine Freude. Der leitet einen Elektronikmarkt und so verkündete Tom I.: „Der Fasching ist klasse und gar nicht öd, gemäß meinem Motto ,Ich bin doch nicht blöd!’“ Bis es soweit war und sie auf die Bühne durften, waren beide mit den Kinderprinzenpaar-Betreuerinnen Yvonne Hummel-Kwasny und Melanie Tönjes-Pleus gemeinsam zum Essen gewesen. Die Eltern saßen derweil reichlich nervös im Narrensaal bei Witte in Immer. „Ich dachte nur, hoffentlich hat er auch den Zettel mit seiner Rede dabei“, sagt Birte Adler, die im Fasching seit Jahren bei den „Lollipops“ mittanzt. Inzwischen staunt Henning Adler über die hohe Professionalität hinter den Kulissen. Und Christine Petershagen stellt verwundert fest, dass sie längst nicht alle Facetten des Faschings kennt, wie sie immer dachte. Immerhin hat die Elmeloherin, bevor sie Prinzessin wurde, die grüne Garde geleitet, wo Ehemann Heiko von 1994 bis 2001 der Tanzmajor war. Am Donnerstag, dem Tag danach, sei sie „ganz schön müde“ gewesen, gesteht Jule. „Ich war auch erst um halb Zwölf im Bett und habe am nächsten Tag eine Mathe-Arbeit geschrieben“, tönt Tom. Es sei aber ganz okay gelaufen, versichert er auf Nachfrage. Mathe sei neben Sport sein Lieblingsfach. Der neue Kinderprinz kickt beim TSV und spielt Tennis beim GTV. Jule, die beim VfL Stenum Fußball spielt und darüber hinaus Ballett tanzt und schwimmt, mag am liebsten Kunst, Sport und Musik. Am Donnerstagmorgen kam die neue Majestät später als sonst zur Schule, auch die Buskinder waren schon da. Ihre Freundinnen Lisa und Tonja, die die Nachricht aus der Zeitung kannten, hätten es gar nicht verstanden, dass sich Jule auch als neue Prinzessin beim Reingehen brav hinten in der Schlange anstellte. Klassenkamerad Nicolas indes kam aus dem Staunen nicht heraus: „Der hat es dann überall rumgebrüllt und alle haben gratuliert.“ Bei Tom machte die Nachricht beim Kicken auf dem Minifeld beim Schulhof die Runde. Sein bester Kumpel Nick habe anfangs nicht mehr zu sagen gewusst als „Ach!“ Natürlich gab’s auch hier Glückwünsche. Und seinem Kumpel Kai, der bei den Bobbies mittanzt, hat Tom gleich erst mal zu einem neuen Job verholfen: Er bat die Trainerin darum, Kai am Tag der Abholung in eines der beiden Wachhäuser zu stellen. Von dort aus wird Kai nun am Faschingssonnabend vor Tom I. salutieren. |
Die Gemeinschaft der Ganderkeseer Vereine (GGV) hatte offenbar den richtigen Riecher: Beide sind Werder-Fans, beide kommen aus faschingsbegeisterten Elternhäusern. Dass das nach Hoheiten suchende Gremium der GGV die beiden Viertklässler unabhängig voneinander an zwei frühen Abenden im Oktober jeweils beim Fernsehen antraf, wird eher Zufall gewesen sein. Man wolle nicht stören, versicherten die „Greifer“ bei Petershagens in Elmeloh und bei Adlers im Urneburger Feld – und zogen sich hier wie dort zunächst ins Nebenzimmer zurück, um das Okay der Eltern zu holen.