Das Kinderprinzenpaar gibt sich beim Fasching in Ganderkesee die Ehre
Geschrieben von Anja Perkuhn (Weser Kurier)   
Dienstag, 2. Februar 2010

Eine Welt, in der ein feuerspeiender Drache und ein Feuerwehrmann ein Tänzchen wagen, die kann es nur in Ganderkesee geben. Den Weg in diese Welt findet man auch nur während der Faschingszeit. Es tapsen außerdem nicht nur knapp ein Meter große Drachen und Feuerwehrmänner darin herum, in der es Konfetti regnet und in der nicht einmal kuriose Schüttelreime schlimm sind: auch Feen, Cowboys mit aufgemalten Bärten, kleine und mittelkleine Ritter, Löwen und Tiger. Denn es ist wieder Kinderfasching gewesen in Ganderkesee.

Das Kinderprinzenpaar (Tom I. und Jule I.) dreht beim Ehrentanz in der Halle Am Steinacker ein paar Runden vor seinem begeisterten Publikum.
'Ganderkesee hinein!' und 'He geiht!' schallte es deshalb das ein ums andere Mal durch die Festhalle Am Steinacker. Huldvoll winkte das diesjährige Kinderprinzenpaar in die Menge. Beinahe 800 Augenpaare richteten sich auf Jule I. Petershagen aus Elmeloh und Tom I. Adler aus dem Urneburger Feld, die die ersten Reimer des Tages auf der Bühne waren. Ernsthaft aus seinem braun-orangen Anzug herausschauend verkündete Tom I. ganz staatsmännisch die Agenda 2010: 'zum Faschingsumzug gehn'. Die erste Dame des Narrenstaates zeigte sich auf ihren Prinzen abgestimmt in einem pailettenglitzernden Kleidchen in Orange - die farblichen Aussichten für die fünfte Jahreszeit stehen seit diesem Wochenende fest.

Beinahe hätte Jule I. allerdings an diesem Tag einfach Jule geheißen und anstatt des orangefarbenen Kleides ein rotes Kostüm getragen, wie es eben Tradition ist bei der Roten Garde. Bei den beinschwingenden Damen wollte sie nämlich eigentlich mitmachen. Sie entschied sich allerdings für die Prinzessinenwürde und stand deshalb folgerichtig würdevoll auf dem Balkon neben der Bühne, während die Garde ihre Choreographie vorführte. Die rotberockten Tänzerinnen bedankten sich danach mit roten Wangen bei den Trainerinnen Ute Tober und Anke Fleischer, die die Gruppe seit 20 Jahren betreuen. 'Danke für die Tänze, danke für die Lieder - wir tanzen bestimmt im nächsten Jahr wieder' reimten die Nachwuchstänzerinnen und standen dabei trotzdem jeweils mit beiden Beinen fest auf dem Boden.

Ähnliche Zukunftspläne formulierte auch Allegra Hasselberg: Die Zwölfjährige führte im Tinkerbell-Kostüm als Moderatorin durch die Veranstaltung, wie auch schon im Vorjahr. Und hätte ihr Kleid Taschen gehabt, hätte sie wohl einen Kalender gezückt, während sie sich mit der Büttenrednerin Stephanie 'Tiffy' Sandersfeld unterhielt. Die hatte an diesem Wochenende ihren ersten Auftritt beim Kinderfasching und einigte sich mit Hasselberg darauf: 'Und 2018, wenn wir beide 20 sind, halten wir zusammen eine Büttenrede.'

Ebenfalls ihr Debüt beim Kinderfasching feierten die Tanzgruppe 'Crazy Dancer', deren Mitglieder wie pink-schwarze Blitze zu einem Electro-Mix über die Bühne zischten, und die Ballettgruppe des TSV Ganderkesee, die in den gefüllten Saal schmetterte: 'Ballett ist out, wir wollen es laut!', um dann zu krachender Musik - nun ja, eigentlich doch Ballett zu tanzen. Das tat dem Applaus des Publikums aber keinen Abbruch; es ließ sich nach der Robo-Dance-Darbietung der 'Bobbies' mit ihren silbrig glänzenden Perücken sogar so weit dressieren, dass es auf Zuruf mal klatschte, dann wieder pfiff, johlte, ein wenig kreischte und mit den Füßen trampelte. Grundsätzlich blieben die Zuschauer aber beim guten, alten Klatschen - vor allem beim ausgelassenen Klatschen im Takt und das vor allem beim wohl faschingstypischsten Programmpunkt: dem Gardetanz der jungen Damen in blau-weißen, kurzen Röckchen, Strumpfhosen und weißen Stiefelchen, den 'Weiß-Blauen Funken'.

Weil aber dieser Tag einer war, an dem die Kinder im Mittelpunkt stehen sollten und nicht Flexibilität von Tänzerinnen, erhoben sich alle noch einmal respektvoll für Jule I. und Tom I., als sie von ihrem Balkon herabstiegen und sich noch einmal unter das Faschingsvolk mischten zum Ehrentanz des Prinzenpaares. Die Drachen und Feuerwehrmänner, Feen und Cowboys, Ritter, Löwen und Tiger dieser Welt bildeten einen Halbkreis, die Erwachsenen schauten ergriffen, und für einen Moment war es wie das glückliche Ende eines Märchens. Aber nur bis zum nächsten: 'Ganderkesee hinein!' und 'He geiht!' - da kam dann wieder der Spaß.